
SPORTORTHOPÄDIE
Kreuzbandriss: Diagnose, Behandlung und Rehabilitationsstrategien
Es ist ein Moment, den viele Leistungssportler und ‑sportlerinnen nur zu gut kennen: Ein unerwarteter Richtungswechsel oder ein ungünstiger Sturz – und schon ist es passiert, ein stechender Schmerz durchzieht das Knie. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um einen Kreuzbandriss handeln könnte. Die Diagnose bestätigt schnell, was viele fürchten: Das vordere oder hintere Kreuzband ist verletzt. Solche Verletzungen sind besonders für aktive Sportler und Sportlerinnen belastend, da sie die Mobilität stark einschränken und eine lange Pause vom gewohnten Training bedeuten können. Hier kommt die Expertise von Ihrem Sportorthopäden des Vertrauens in Berlin ins Spiel, um Sie effektiv zu unterstützen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Kreuzbandriss tritt oftmals durch plötzliche Richtungswechsel und Stürze im Sport auf.
- Die Diagnose erfolgt durch klinische Tests und wird mit einem MRT bestätigt.
- Konservative Behandlung umfasst Physiotherapie, Orthesen und Schmerztherapie.
- Eine Operation ist erforderlich, wenn das Knie instabil bleibt oder zusätzliche Verletzungen vorliegen.
- Die Rehabilitation erfolgt in mehreren Phasen und dauert in der Regel sechs bis zwölf Monate.
Was ist ein Kreuzbandriss?
Ein Kreuzbandriss, auch Kreuzbandruptur genannt, wird als vollständiger oder teilweiser Riss der Bänder bezeichnet, die für die Stabilität des Kniegelenks verantwortlich sind. Das vordere Kreuzband (VKB) und das hintere Kreuzband (HKB) kreuzen sich in der Mitte des Knies und stabilisieren das Gelenk bei Beugung und Streckung. Ein intaktes Kreuzband ist entscheidend für die Kontrolle und Stabilität des Knies, besonders bei Drehbewegungen und abrupten Stopps, wie sie häufig im Sport vorkommen.
Typische Symptome eines Kreuzbandrisses beinhalten:
- hörbares Knallgeräusch im Moment der Verletzung
- rasche Schwellung innerhalb weniger Stunden
- spürbare Instabilität oder „Wackeln“ des Kniegelenks beim Stehen oder Gehen
- Schmerzen im Knie, die bei Bewegung oder Belastung zunehmen
- eingeschränkte Bewegungsfähigkeit, insbesondere beim vollständigen Strecken oder Beugen des Knies
Diagnostik
Die Diagnose eines Kreuzbandrisses erfolgt in mehreren Schritten und kombiniert klinische Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren.
Klinische Untersuchung
Zunächst überprüft eine Sportmedizinerin oder ein Sportmediziner die Stabilität des Knies mithilfe spezifischer Tests:
- Lachman-Test: Beurteilung der vorderen Kreuzbandstabilität durch eine passive Verschiebung des Unterschenkels
- Pivot-Shift-Test: Untersuchung der Rotationsstabilität des Knies
- Vordere und hintere Schublade: Test zur Überprüfung der Stabilität bei Vor- und Rückwärtsbewegungen des Unterschenkels
Bildgebende Verfahren
Zur genauen Beurteilung der Verletzung wird in der Regel eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt. Dieses Verfahren liefert detaillierte Bilder und ermöglicht die Unterscheidung zwischen Teilruptur und Komplettruptur des Kreuzbandes. Zudem kann festgestellt werden, ob weitere Strukturen wie Menisken oder Kollateralbänder betroffen sind.
Bei einem ausgeprägten Gelenkerguss oder Hämatom kann eine Punktion zur Entlastung in Erwägung gezogen werden.
Behandlungsmöglichkeiten
Bei einer stabilen Teilruptur des Kreuzbandes kann eine konservative Behandlung in Betracht gezogen werden. Diese umfasst mehrere initiale Maßnahmen:
- Traumeel-Infiltration und Kinesio-Tape zur Unterstützung der Heilung
- Schmerzmedikation (NSAR, je nach Verträglichkeit) zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen
- Stabilisierende Orthese zur Bewegungskontrolle
- PRP-Injektionen (bei stabiler Teilruptur zur Heilungsförderung)
Zusätzlich wird eine intensive Physiotherapie (12 bis 18 Einheiten) empfohlen:
- Manuelle Therapie (MT) zur Mobilisation
- Krankengymnastik (KG) zur Wiederherstellung der Funktion
- Krankengymnastik am Gerät (KGG) zur Kräftigung der stabilisierenden Muskulatur
Zudem ist eine Sportpause und Anpassung der Belastung erforderlich, wobei ruckartige Bewegungen sowie Sprungsportarten für mindestens drei Monate vermieden werden sollten. Durch gezieltes propriozeptives Training kann die Gelenkstabilität verbessert werden.
Eine Operation ist erforderlich, wenn folgende Kriterien vorliegen:
- Aktive Sportler und Sportlerinnen mit hohen Belastungen: Bei Sportarten mit schnellen Richtungswechseln, Sprüngen oder starken Belastungen (z.B. Fußball, Basketball, Skifahren) ist eine OP oft sinnvoll. Ohne das vordere Kreuzband kann das Knie instabil werden, was das Risiko für Folgeschäden wie Meniskusrisse oder Arthrose erhöht.
- Instabilitätsgefühl im Alltag: Bleibt das Knie trotz konservativer Behandlung instabil, ist eine OP meist erforderlich, um die Stabilität wiederherzustellen.
- Kombinierte Verletzungen: Liegen zusätzliche Schäden wie ein Meniskusriss oder Verletzungen der Seitenbänder vor, wird häufig eine OP empfohlen.
Bei vollständigem Riss des vorderen Kreuzbandes erfolgt eine VKB-Plastik mittels Sehnentransplantat, meist unter Verwendung der Semitendinosus/Gracilis- oder Quadrizepssehne. Die Operation wird in Sankt Gertrauden Krankenhaus durch Dr. Pouria Taheri durchgeführt.
Rehabilitationsstrategie
Eine effektive Rehabilitationsstrategie ist entscheidend, um die vollständige Funktion des Knies wiederzuerlangen und langfristige Schäden zu vermeiden. Der Heilungsverlauf erfolgt in mehreren Phasen, wobei jede Stufe spezifische Maßnahmen umfasst, um die Stabilität und Belastbarkeit des Knies schrittweise zu verbessern:
- Phase 1 (0–6 Wochen): Teilbelastung mit Orthese, Lymphdrainage, Schmerzmanagement und passive Mobilisation zur Schwellungsreduktion und Beweglichkeitserhaltung
- Phase 2 (6–12 Wochen): Steigerung der Belastung, kontrollierte Bewegung und gezielter Muskelaufbau zur Stabilisierung des Knies
- Phase 3 (3–6 Monate): Propriozeptives Training, Lauftraining und Funktionstraining zur Verbesserung der Gelenkstabilität unter dynamischen Bedingungen
- Phase 4 (ab 6 Monaten): Sportartspezifisches Training mit gezielten Bewegungsabläufen; je nach Stabilitäts- und Belastungstests evtl. Freigabe für Kontaktsportarten
Der Zeitrahmen für die Rückkehr zum Sport variiert und sollte individuell festgelegt werden. Diese dauert in der Regel mindestens sechs bis zwölf Monate. Während dieser Zeit wird sichergestellt, dass das Knie ausreichend gestärkt ist und die funktionelle Stabilität wiederhergestellt wurde. Eine engmaschige Zusammenarbeit mit Therapeuten und Therapeutinnen sowie Trainern und Trainerinnen sorgt dafür, dass der Wiedereinstieg schonend und sicher verläuft. Testläufe und sportartspezifische Bewegungsabfolgen helfen, die Einsatzbereitschaft des Knies zu evaluieren.